Johanne Jakobian
E-Books Nominierte Erzählungen
Johanne Jakobian stand seit 2005 achtmal auf der Shortlist für angesehene Literaturpreise. 2015 wurde ihre Erzählung „Mami’s Liebling“ beim Erzählwettbewerb des Autorenforums Berlin e. V. mit dem dritten Preis ausgezeichnet.
  • Du fehlst
    Aişe Bosse & Petra Schaberger (Hg.) Du fehlst Geschichten von Liebe und Tod Q5-Verlag 2018, 19,99 € S. 90-93
  • So fängt es an:
    An der Kapellentür liegt ein vorgedruckter Zettel. Darauf teilt die Verstorbene mit, bei ihrer Trauerfeier werde niemand reden; stattdessen erklinge Musik, 14 Minuten lang. ... Der Schwager: Wenn sie mich zum Reden aufgefordert hätten – ich wäre bestimmt nicht so langweilig wie dieses Gedudel. ... Der Ehemann: Wie konnte ihr das passieren, so plötzlich? Sie hätte merken müssen, was los war. ... Wir werden nie erfahren, was sie uns alles verheimlicht hat. Der Sohn: Wer war meine Mutter? Ich weiß es nicht. ... Hab mich nichts gefragt. Und wenn ich’s getan hätte? Hätte ich gedacht, das hat noch Zeit. Die Tochter: Mama. Wie schön ist deine Musik. ... Ich denke, die ganze Zeit denke ich, ich würde mich gar nicht wundern, wenn du hereinkämst. ... Aber du kommst nicht.
  • Die puppe christine
    Arthur Nickel (Hg): Von Fluchten und Wiederfluchten Geest-Verlag 2017, 15 € S. 437-440
  • So fängt es an:
    Wenn ich Angst habe, gehe ich zu meiner Schwester ins Bett. Sie schiebt Christine zur Seite, damit ich rein kann, und ich liege ganz still, damit sie mich nicht zurückschickt. Vormittags ist meine Schwester in der Schule. Dann sitzt Christine im Nachthemd hinterm Kopfkissen. Das Hemd hat Oma genäht. Es ist weiß und hat blaue Ränder. Auf der Brust ist auch was Blaues. Das bedeutet Christine, sagt Mama. Hinterm Kopfkissen heißt: Keiner darf rangehen. Meine Schwester hatte Christine schon, als es mich noch nicht gab. Früher, als alles gut war.
  • Rezensionen
    Man schaut wie mit den Augen eines Kindes auf alles, weil es so beschrieben ist, ein bisschen wie aus der Froschperspektive. Man spürt die riesigen Umwälzungen, die hinter der Geschichte stehen. Aber sie kommen mit keinem Wort zur Sprache. Nur die aufgeladene Atmosphäre ist greifbar und, dass eben alles einmal gut war. Die Puppe ist das Symbol für diese andere Zeit und auch das Band zwischen den Schwestern, sie wegzugeben auch ein bisschen ein Aufbruch zu einem neuen Leben. Peter Scior Maler, Bühnenbildner
  • Mami's Liebling
    Autorenforum Berlin e. V. Berlingeschichten zba.Buch 2016, 7 € S. 24-34
  • So fängt es an:
    I Sonntag, 20 h Mausi! Was machste’n für Jeräusche? Jetz nich, Bär. Det Wassa is doch kalt. Hau ab. Krimi jeht los. Ick nehm dir’n Bier mit. II Sonntag, 21.30 h Wat machste’n so lange? Der Blonde könnt’s jewesen sein. So’n fiesa Aasch. Ehm – nee, warte ma. Jetz telefoniern se wieda. Hier, nimm’n Schluck. Mann! Wat’n ditte? Musste doch de Pulle nich hinschmeißn, echt. Hey! Pennste jetz? Nich – lass mich. Wat hockste’n da so komisch. Jib ma det Handtuch. Nein! Also wirklich, Mausi. Is doch vasifft. Ick schmeiß et inne Maschine. O Gott. O nee. Nee. Ist det – so kleen. Isset det? Nee, wa? Siehste doch. Mensch. Is det schon vorbei. Du alleene, in Badeßimmer, un ick sitz hier und kuck Krimi. Leech dich ma, ick klapp die Couch außenanda. Lass ma kuckn. So kleen. Und ’n Junge. So niedlich.
  • Rezensionen
    Deine Geschichte ist großartig! Ich habe bewundert, wie wenig Text Du benötigt hast, um so viel Grauen zu erzählen. Ich hatte auf Seite 4 eine Ahnung, wo das Ganze hinführen könnte, war dann aber doch erstaunt, als es tatsächlich passierte, weil es sich so normal las, so üblich, so ganz alltäglich, is vorbei jetz. Schrecklich. Sehr gut gemacht! Marianne Hollmann-Wobschall Autorin/Lektorin
Johanne Jakobian Autorin aus Berlin; nominierte Literatur Erzählungen; Ebook; Wettbewerb
  • Ein Garten voller Fische
    Barbara Fellgiebel (Hg.) Blauer Garten Edition Alfa 2008, 9,90 € S. 271-276
  • So fängt es an:
    Packen Sie Ihr Papier weg, Fräulein. Ich weiß nicht, wie Sie heißen. Sagen Sie nichts, ich vergesse es sofort. Sie gucken auf die Uhr. Ich soll das nicht merken, aber ich weiß, Sie müssen die Stunde mit mir rumbringen und wissen nicht wie, weil ich nicht antworte, auch wenn Sie Ihre Papierfragen ummodeln, bis sie fast echte Fragen sind. Sie sind der erste Mensch, der das Bild über meinem Bett ansieht. Mein blauer Garten war mein Schönstes. Als ich ihn malte, war ich acht. Ja, natürlich komme ich aus der Stadt. Dritter Stock, Blick auf den Hof. Und dass Sie keinen blauen Garten kennen, weiß ich auch.
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  • Rezensionen
    Sylvia Tornau, in: tatmoor.de: Meine Favoriten erzählen von Menschen und Schicksalen, vom Rückzug aus dem Leben in die eigene, überschaubare und sich trotz allem wandelnde Welt (Jakobian: Ein Garten voller Fische). Unbedingt lesenswert!
Johanne Jakobian Autorin aus Berlin; nominierte Literatur Erzählungen; Ebook; Wettbewerb
  • Schlachteplatte
    Magistrat der Stadt Pfungstadt (Hg.) Mord und Blutwurst Verlag Julius Hélène 2008, 9,80 € S. 123-136
  • So fängt es an:
    „Drei Blutwurst.“ „Ah, der Oliver kommt heim, die Oma macht Schlachteplatte.“ „Muss ich ja. Und Leberwurst. Bratwurst. Schweinebauch. Rauchspeck, Schmalz und Sauerkraut.“ „Fünfzehn dreißig, bitte.“ „Jedes Mal mehr!“ „Ich kann’s nicht ändern, Frau Häusler. Und grüßen Sie den Oliver!“
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Johanne Jakobian Autorin aus Berlin; nominierte Literatur Erzählungen; Ebook; Wettbewerb
  • die Mutprobe
    Ellen Roemer (Hg.) Geschwister Anthologie zum zweiten Brüggener Literaturherbst Geest-Verlag 2008, 12,50 € S. 112-119
  • So fängt es an:
    Der Mann geht durch den Welt, wie jeden Morgen. Das muss sein, das gliedert den Tag. Den Brief in seiner Brusttasche kann er immer noch lesen. Wochentags sind keine Spaziergänger unterwegs, schon gar nicht bei solch trübem Wetter. Das ist ihm nur recht. In fünf Tagen hat er Geburtstag. Feiern wird er nicht, auf keinen Fall. Kallis Frau kann noch so oft anrufen und ihn zum Essen einladen, er geht da nicht hin. An seinem Geburtstag wird er hier sein und genauso bergan stiefeln wie heute. Früher war noch der Boxer neben ihm, aber der hat ja nicht durchgehalten, musste irgendwann irgendwo was Verkehrtes fressen und ist verreckt, der dumme Hund.
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  • Die chance für ludwig xiv
    Kurzgeschichtenpreis Quo Vadis e. V. 2009 : Bei den ersten 10 von über 300 Einsendungen Hörspielversion Sprecher Matthias Ubert 34 MB, 38 Minutenwww. jokers-downloads.de/historica
  • So fängt es an:
    1707 wird mein erstes Jahr in Freiheit. Nie wieder muss ich mich in die Soldatenstiefel zwängen. Nie wieder den bestickten Staatsrock tragen, der am Bauch spannt und über den Schultern schlottert. Der Stoff wärmt nicht – von Paris bis Versailles habe ich in der Kutsche gefroren. Aber es ist ja das letzte Mal. Heute nehme ich meinen Abschied. Wenn der Winter vorbei ist, gehe ich in weichen Schuhen über Gras, meine Enkel neben mir. Mein letztes Geschenk für den König steckt in der Brusttasche. Ist es eine Bombe? Es hängt von Ludwig ab, was es ist.
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  • saubere Arbeit, gutes gehalt
    Autorinnenvereinigung e. V. 2007 : Unter dem Titel „Ausgesorgt“ bei den ersten 12 von 548 Einsendungen zum 6. Literaturwettbewerb
  • So fängt es an:
    Hiltrud meldet sich, sie hat das geübt. Die Uniform gibt Halt: Guter Stoff, Schuhe aus Leder. „Einundzwanzig, aha. 1,60?“ „Ja.“ „Vom Arzt gemessen?“ „Ja doch.“ Ihre Schweinsäuglein starren ihn an. Der Chef zögert, macht seinen Haken. „Konservenfabrik, was haben Sie gemacht?“ „Packerin.“
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– Autorin –
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